Ratgeber

In Vorbereitung

Fliegen mit Kontrabass

Die ehrliche Antwort: Ein Kontrabass passt nicht ins Flugzeug. Aber es gibt Loesungen.

Das Problem

Warum Fliegen mit Kontrabass nicht einfach ist

Ein Kontrabass ist zwischen 180 und 200 cm hoch — groesser als die meisten Menschen. Er passt nicht in ein Handgepaeckfach, nicht auf einen Flugzeugsitz und nicht einmal durch die Kabinetuer der meisten Flugzeugtypen. Das macht den Kontrabass zum schwierigsten Instrument, wenn es ums Fliegen geht. Waehrend ein Cello noch auf einem Extra-Sitz in der Kabine mitfliegen kann, ist das beim Kontrabass in der Regel ausgeschlossen. Der Flightcase fuer einen Kontrabass wiegt leer bereits 25 bis 35 Kilogramm und hat Masse, die jede Standard-Gepaeckgrenze sprengen. Im Frachtraum herrschen Temperaturschwankungen von minus 20 bis plus 50 Grad, der Luftdruck ist nicht immer stabilisiert, und das Handling beim Verladen ist alles andere als sanft. Jeder Kontrabassist, der schon einmal sein Instrument am Gepaeckband in Empfang genommen hat, kennt das mulmige Gefuehl. Und doch gibt es Situationen, in denen Fliegen die einzige Option ist: ein Konzert auf einem anderen Kontinent, ein Festival, eine Orchestertournee. Dieser Guide zeigt ehrlich, was moeglich ist, was riskant ist und welche Alternativen existieren.

Grundregel

Kontrabass in der Kabine oder im Frachtraum?

Die ehrliche Grundregel: Ein Kontrabass passt nicht in die Kabine eines Verkehrsflugzeugs. Er ist zu gross fuer das Overhead Bin, zu gross fuer einen Sitzplatz und zu gross fuer die Kabinetuer der meisten Schmalrumpfflugzeuge. Ein Extra-Sitz, wie er fuer Celli oder Gitarren moeglich ist, funktioniert beim Kontrabass nicht — das Instrument ueberragt den Sitz in Hoehe und Breite. Bei fast allen Airlines bleibt nur der Frachtraum als Option, und auch das ist kein einfacher Vorgang: Der Kontrabass zaehlt als Uebergroess- oder Sondergepäck und muss vorab angemeldet werden. Viele Berufsbassisten waehlen deshalb Alternativen: ein Leihinstrument am Zielort, den Vorversand per spezialisiertem Transportdienst, oder — wo moeglich — die Anreise per Bus oder Bahn. Wer tatsaechlich fliegen muss, braucht einen professionellen Flightcase, eine gute Versicherung und Nerven. Es ist machbar, aber es ist nie einfach.

Airline-Vergleich · Stand Juli 2026

Kontrabass — welche Airline erlaubt was?

Airline Kabine? Extra-Sitz? Buchungsweg Ca. Kosten Stand
Lufthansa Nein Nein Service Center (telefonisch), Anmeldung als Sondergepäck 200–400 EUR je Strecke (uebergroesses Gepaeck) 2026-07-10
easyJet Nein Nein Online-Anmeldung Sondergepäck oder Kundenservice Ab 49 EUR (Sondergepäck), ggf. deutlich mehr bei Uebergroesse 2026-07-10
British Airways Nein Nein Telefonisch, Special Baggage Team 190–350 GBP je Strecke 2026-07-10
KLM Nein Nein Service Center (telefonisch), min. 48h vorher 200–400 EUR je Strecke 2026-07-10
Ryanair Nein Nein Nicht empfohlen 2026-07-10
Air France Nein Nein Service Center, Anmeldung als Sperrgepäck 200–400 EUR je Strecke 2026-07-10
Eurowings Nein Nein Service Center (telefonisch) 150–300 EUR je Strecke 2026-07-10

Angaben ohne Gewähr. Airlines ändern ihre Policies regelmässig. Vor jeder Buchung direkt bei der Airline prüfen.

Lufthansa

Kontrabass muss als uebergroesses Sondergepäck angemeldet werden. Nicht online buchbar — Anruf beim Service Center erforderlich, mindestens 48 Stunden vor Abflug. Maximale Masse im Frachtraum abhaengig vom Flugzeugtyp. Ein Flightcase ist Pflicht. Lufthansa verlangt eine Haftungsverzichtserklärung fuer uebergroesse Instrumente.

easyJet

easyJet erlaubt Instrumente als Sondergepäck, aber die Uebergroesse eines Kontrabasses kann problematisch sein. Die maximale Groesse fuer aufgegebenes Sondergepäck ist begrenzt. Unbedingt vorab klaeren, ob der Kontrabass im Flightcase auf der konkreten Strecke akzeptiert wird. Kurze Strecken mit kleinerem Flugzeugtyp sind oft nicht moeglich.

British Airways

British Airways nimmt uebergroesse Instrumente als checked special baggage an — Voranmeldung ueber das Special Baggage Team ist Pflicht. Die Laderaumoeffnung variiert je nach Flugzeugtyp; auf Kurzstrecke (A320-Familie) kann es sein, dass der Kontrabass nicht in den Frachtraum passt. Langstrecke (Boeing 777, A350) ist realistischer.

KLM

KLM behandelt einen Kontrabass als uebergroesses Sondergepäck. Voranmeldung ueber das Service Center ist zwingend. KLM prueft, ob das Instrument im Flightcase in den Frachtraum des konkreten Flugzeugtyps passt. Widebody-Fluege (Boeing 787, 777) bieten die besten Chancen.

Ryanair

Ryanair erlaubt keine Instrumente in der Kabine und kein uebergroesses Gepaeck. Die strikten Groessen- und Gewichtslimits machen den Transport eines Kontrabasses praktisch unmoeglich. Selbst als aufgegebenes Sondergepäck wird ein Kontrabass in der Regel abgelehnt. Von Ryanair ist fuer Kontrabassisten dringend abzuraten.

Air France

Air France akzeptiert uebergroesse Instrumente als Sperrgepäck (bagage hors format) im Frachtraum. Telefonische Voranmeldung mindestens 48 Stunden vor Abflug erforderlich. Flightcase ist Pflicht. Auf Langstreckenfluegen mit Widebody-Maschinen ist die Mitnahme realistischer als auf Kurzstrecke.

Eurowings

Eurowings fliegt ueberwiegend Kurzstrecke mit A320-Maschinen. Die Laderaumoeffnung dieser Flugzeugtypen ist fuer einen Kontrabass im Flightcase oft zu klein. Transport ist nur nach vorheriger Pruefung und Genehmigung moeglich — und wird haeufig abgelehnt. Nicht empfohlen fuer Kontrabass.

Schritt für Schritt

Kontrabass — so buchst du richtig

  1. Alternativen ehrlich pruefen

    Bevor du den Flug planst: Pruefe, ob du am Zielort ein Instrument leihen kannst. Viele Orchester, Musikhochschulen und Instrumentenhaendler bieten Leihbässe an — oft in ueberraschend guter Qualitaet. Fuer Orchestertourneen organisieren viele Ensembles den Instrumententransport per Lkw oder Spezialkurier separat. Fliegen mit Kontrabass ist Plan C, nicht Plan A.

  2. Oversize-Policy der Airline pruefen

    Suche auf der Website der Airline nach Begriffen wie 'uebergroesses Gepaeck', 'Sondergepäck', 'Musikinstrument', 'oversize baggage' oder 'special baggage'. Notiere die maximalen Masse (Laenge + Breite + Hoehe) und das Gewichtslimit fuer den Frachtraum. Entscheidend ist oft der Flugzeugtyp — auf Kurzstrecken mit A320 oder Boeing 737 kann der Frachtraum zu klein sein.

  3. Sondergepäck vorab anmelden

    Ruf das Service Center der Airline an, mindestens 48 Stunden vor Abflug, besser frueher. Nenne die genauen Masse deines Kontrabasses im Flightcase (typisch: ca. 210 cm x 80 cm x 50 cm, Gewicht 30-45 kg mit Case). Lass dir schriftlich bestaetigen, dass der Transport akzeptiert wird — muendliche Zusagen gelten am Gate oft nicht.

  4. Flightcase und Polsterung vorbereiten

    Ein professioneller Flightcase ist nicht optional — er ist ueberlebenswichtig fuer das Instrument. Empfohlene Hersteller: Kolstein, Stevenson, David Gage oder Accord. Der Case muss stossfest, wasserdicht und mit Rollen ausgestattet sein. Innen: Saiten entspannen (aber nicht komplett abspannen), Stachel einziehen, Steg mit Schaumstoff polstern, alle losen Teile (Bogen, Kolophonium) separat sichern. Temperaturschutzmatte einlegen, wenn vorhanden.

  5. Versicherung abschliessen oder pruefen

    Pruefe deine Instrumentenversicherung: Deckt sie Transportschaeden bei Fluegenab? Deckt sie den Frachtraum? Die meisten Airlines haften nur bis ca. 1.300 EUR (Montrealer Uebereinkommen) — bei einem Kontrabass, der oft 10.000 bis 100.000 EUR wert ist, reicht das bei Weitem nicht. Eine separate Musikinstrumentenversicherung mit Transportklausel ist dringend empfohlen. Halte die Policennummer und den Versicherungsschein griffbereit.

  6. Am Flughafen: Frueh da sein und proaktiv handeln

    Sei mindestens 3 Stunden vor Abflug am Flughafen. Geh direkt zum Sperrgepäck-Schalter, nicht zum normalen Check-in. Zeige die schriftliche Bestaetigung der Airline. Bitte darum, dass das Instrument als 'Fragile' und 'This Side Up' markiert wird. Frage, ob das Instrument per Hand in den Frachtraum gebracht wird — bei manchen Airlines ist das auf Anfrage moeglich. Nach der Landung: Geh direkt zum Sperrgepäck-Ausgabe und pruefe das Instrument sofort auf Schaeden, bevor du den Flughafen verlaesst.

Packing & Protection

Case, Polsterung, Vorbereitung

Ein Kontrabass im Flugzeug braucht einen professionellen Flightcase — alles andere ist fahrlässig. Softcases, Gigbags oder einfache Hartschalenkoffer bieten keinen ausreichenden Schutz fuer den Frachtraum. Empfohlene Hersteller: Kolstein (Industriestandard, extrem robust), Stevenson (leichter, sehr guter Schutz), David Gage (gutes Preis-Leistungs-Verhaeltnis) oder Accord (Fiberglas, relativ leicht). Der Case wiegt leer zwischen 25 und 35 kg — mit Instrument kommst du auf 35 bis 50 kg. Vor dem Einpacken: Saiten um einen Ganzton entspannen (nicht komplett abspannen, das schadet dem Stimmstock), Stachel vollstaendig einziehen und sichern, Steg mit weichem Schaumstoff oder Neopren polstern, Griffbrett mit einem weichen Tuch schuetzen. Den Bogen separat in einer Bogenroehre transportieren — nicht lose im Case lassen. Kolophonium in eine verschlossene Dose. Wenn verfuegbar, eine Temperaturschutzmatte (Thermofolie) zwischen Case und Instrument legen. Zwei Boveda-Packs (49% RH) ins Case legen, um die Luftfeuchtigkeit zu stabilisieren. Aussen am Case: Namensschild, Telefonnummer, 'FRAGILE'-Aufkleber und einen Hinweis 'MUSICAL INSTRUMENT — HANDLE WITH CARE'. Ausserdem empfohlen: Kabelbinder oder Sicherungsbaender an den Verschluessen als zusaetzliche Sicherung.

Checkliste

Vor dem Flug

  • Leihinstrument am Zielort geprueft — ist Fliegen wirklich noetig?
  • Airline kontaktiert und Sondergepäck schriftlich bestaetigt
  • Flugzeugtyp der Strecke geprueft (Widebody bevorzugt)
  • Flightcase: stossfest, wasserdicht, Rollen funktionsfähig
  • Saiten entspannt, Stachel eingezogen, Steg gepolstert
  • Instrumentenversicherung mit Transportklausel aktuell und griffbereit
  • FRAGILE- und HANDLE WITH CARE-Markierung am Case angebracht
  • 3 Stunden vor Abflug am Flughafen, direkt zum Sperrgepäck-Schalter

Häufige Fragen

Kann ich einen Kontrabass in der Flugzeugkabine mitnehmen?
In der Regel nein. Ein Kontrabass ist mit 180 bis 200 cm Hoehe zu gross fuer einen Flugzeugsitz, zu gross fuer das Overhead Bin und passt bei den meisten Flugzeugtypen nicht einmal durch die Kabinetuer. Anders als bei einem Cello, das auf einem Extra-Sitz mitfliegen kann, gibt es beim Kontrabass diese Option praktisch nicht. Es gibt vereinzelte Berichte von Bassisten, die auf sehr grossen Flugzeugen (z.B. Boeing 747) mit kulanten Airlines eine Ausnahme erwirkt haben — das ist aber die absolute Ausnahme, nicht die Regel.
Wie teuer ist der Flugtransport eines Kontrabasses?
Die reinen Airline-Gebuehren fuer uebergroesses Sondergepäck liegen zwischen 150 und 400 EUR pro Strecke, je nach Airline und Entfernung. Dazu kommen die Kosten fuer einen Flightcase (1.500 bis 5.000 EUR Anschaffung) und eine Transportversicherung (variiert nach Instrumentenwert). Insgesamt ist mit 300 bis 800 EUR pro Hin- und Rueckflug zu rechnen — ohne den Case. Ein Leihinstrument am Zielort ist oft die guenstigere Option.
Welche Risiken bestehen im Frachtraum?
Die groessten Risiken sind: Temperaturschwankungen (der Frachtraum kann zwischen minus 20 und plus 50 Grad schwanken, je nach Flugzeugtyp und Flughoeche), niedrige Luftfeuchtigkeit (unter 10% RH, was Holz reissen laesst), mechanische Stoesse beim Verladen und Entladen, und Druckschwankungen. Selbst in einem guten Flightcase bleibt ein Restrisiko fuer Risse im Holz, einen verschobenen Stimmstock oder gebrochene Leimverbindungen. Deshalb ist eine Versicherung unverzichtbar.
Gibt es bessere Alternativen zum Fliegen?
Ja, und viele Profis nutzen sie: Ein Leihinstrument am Zielort ist die sicherste und oft auch guenstigste Loesung — ueber Orchester, Musikhochschulen oder Instrumentenhaendler vor Ort. Der Vorversand per spezialisiertem Musiktransport-Dienstleister (z.B. per Lkw innerhalb Europas) ist eine weitere Option, braucht aber Vorlaufzeit. Fuer Tourneen organisieren viele Orchester und Ensembles einen gemeinsamen Instrumententransport per Lkw oder Container. Innerhalb Europas kann auch die Bahn eine realistische Alternative sein — in vielen Zuegen gibt es Stellplaetze fuer uebergroesses Gepaeck.
Welchen Flightcase soll ich kaufen?
Fuer Flugreisen gibt es im Wesentlichen vier empfohlene Hersteller: Kolstein (USA, der Industriestandard fuer Orchestertourneen, extrem robust, aber schwer und teuer: ab ca. 3.000 EUR), Stevenson (UK, etwas leichter, sehr guter Schutz: ab ca. 2.500 EUR), David Gage (USA, gutes Preis-Leistungs-Verhaeltnis: ab ca. 2.000 EUR) und Accord (leichtes Fiberglas, ab ca. 1.800 EUR). Achte auf: ATA-300-Zertifizierung (Transportstandard fuer Flugreisen), Rollen, verschliessbare Metallverschluesse und ausreichende Innenpolsterung. Ein guter Flightcase ist eine Investition, die sich beim ersten vermiedenen Schaden bezahlt macht.

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