Ratgeber

In Vorbereitung

Fliegen mit Harfe, Tuba & Sonderformate

Wenn dein Instrument in keine Kategorie passt, brauchst du einen Plan.

Das Problem

Warum Fliegen mit Harfe, Tuba & Sonderformate nicht einfach ist

Harfe, Tuba, Euphonium, Akkordeon, Banjo — Instrumente, die sich keiner Standard-Kategorie fügen. Zu gross für das Handgepäck, zu sperrig für einen normalen Extra-Sitz, zu empfindlich für den Frachtraum. Eine Konzertharfe ist knapp 180 cm hoch und wiegt 35 bis 40 Kilogramm. Eine Tuba hat einen Schallbecher, der in keine Gepäckablage der Welt passt. Und selbst ein Euphonium, das theoretisch auf einen Sitz passen könnte, überfordert die meisten Buchungssysteme. Die Airline-Regeln für diese Instrumente sind vage, widersprüchlich oder schlicht nicht vorhanden. Auf der Website steht "Musikinstrumente willkommen" — am Gate heisst es dann: "Das geht nicht." Die Folge: Musiker verbringen Stunden am Telefon, schreiben E-Mails, die nicht beantwortet werden, und stehen am Check-in vor vollendeten Tatsachen. Besonders bei Konzertharfen ist die Situation komplex: Kein regulärer Flug nimmt eine Pedalharfe in der Kabine mit. Die Optionen beschränken sich auf Übergepäck im Frachtraum, spezialisierten Instrumententransport oder die pragmatischste Lösung — ein Leihinstrument am Zielort. Dieser Guide sortiert die Optionen für jedes Sonderformat: Was ist realistisch, was ist riskant, und was ist die beste Strategie für dein konkretes Instrument.

Grundregel

Harfe, Tuba & Sonderformate in der Kabine oder im Frachtraum?

Die zentrale Frage bei Sonderformaten lautet nicht "Darf mein Instrument mit?" sondern "Wie gross und schwer ist es — und passt es physisch auf einen Flugzeugsitz?" Eine keltische Harfe (Hakenharfe) mit etwa 90 cm Höhe und 8 kg Gewicht kann bei einigen Airlines als Extra-Sitz-Instrument durchgehen — vorausgesetzt, sie ist in einem geeigneten Case und die Airline genehmigt es vorab. Eine Konzertharfe (Pedalharfe) mit 180 cm und 35 bis 40 kg passt auf keinen Sitz und in kein Overhead Bin. Sie muss als Übergepäck im Frachtraum reisen oder separat verschickt werden. Eine Tuba — je nach Bauart 70 bis 100 cm lang mit ausladendem Schallbecher — passt in der Regel nicht in die Kabine und wird als übergroßes Sondergepäck aufgegeben. Euphonium und Baritonhorn sind Grenzfälle: In einem kompakten Hardcase können sie auf manchen Flügen als Extra-Sitz mitgenommen werden, aber die Genehmigung ist nie garantiert. Akkordeons passen je nach Grösse in die Handgepäck-Masse und dürfen oft regulär in die Kabine. Banjo und Mandoline verhalten sich ähnlich wie eine Gitarre: Banjo ist ein Grenzfall (Länge um 95 cm), Mandoline passt in der Regel ins Overhead Bin. Grundregel: Kläre VOR der Buchung mit der Airline, ob dein Instrument mitgenommen werden kann — und in welcher Form. Hole dir die Zusage schriftlich. Bei Konzertharfen und Tuben: Rechne damit, dass das Instrument nicht in der Kabine mitfliegt, und plane entsprechend.

Airline-Vergleich · Stand Juli 2026

Harfe, Tuba & Sonderformate — welche Airline erlaubt was?

Airline Kabine? Extra-Sitz? Buchungsweg Ca. Kosten Stand
Lufthansa Nein Nein Service Center (telefonisch) — Einzelfallgenehmigung erforderlich Extra-Sitz: regulärer Sitzpreis; Übergepäck: ab 200 EUR je Strecke 2026-07-10
easyJet Nein Nein Online — CBBG im Buchungsflow; für Sonderformate vorab Kontakt empfohlen Regulärer Sitzpreis für CBBG; kein Übergepäck-Service 2026-07-10
British Airways Nein Nein Telefonisch — Musical Instruments Desk Extra-Sitz: regulärer Sitzpreis; Übergepäck: nach Gewicht und Strecke 2026-07-10
KLM Nein Nein Service Center (telefonisch) Extra-Sitz: regulärer Sitzpreis; Übergepäck: nach Gewicht 2026-07-10
Ryanair Nein Nein Nicht möglich 2026-07-10
Air France Nein Nein Service Center oder Reisebüro Extra-Sitz: regulärer Sitzpreis; Übergepäck: ab 150 EUR je Strecke 2026-07-10
Eurowings Nein Nein Service Center (telefonisch) Extra-Sitz: regulärer Sitzpreis; Übergepäck: ab 75 EUR je Strecke 2026-07-10

Angaben ohne Gewähr. Airlines ändern ihre Policies regelmässig. Vor jeder Buchung direkt bei der Airline prüfen.

Lufthansa

Für Instrumente unter 130 cm und 45 kg ist ein Extra-Sitz (EXST) möglich — das betrifft keltische Harfe und ggf. Euphonium. Konzertharfe und Tuba: kein Kabinentransport. Übergepäck im Frachtraum nach Voranmeldung. Harfe muss in einem stabilen Flightcase transportiert werden. Genehmigung immer vorab schriftlich einholen.

easyJet

CBBG kann online gebucht werden — aber nur, wenn das Instrument tatsächlich auf einen Sitz passt. Für keltische Harfe oder Euphonium im kompakten Case theoretisch möglich, aber vorab mit easyJet klären. Konzertharfe und Tuba: nicht transportierbar bei easyJet (kein Frachtraum-Service für Übergepäck). Akkordeon kann als reguläres Handgepäck mitgehen, wenn es die Masse einhält.

British Airways

British Airways hat einen dedizierten Musical Instruments Desk. Extra-Sitz für kleinere Sonderformate (keltische Harfe, Euphonium) nach Einzelfallprüfung möglich. Konzertharfe: nur als Übergepäck im Frachtraum, Voranmeldung Pflicht. Tuba: meist Frachtraum. Gute Erfahrungen bei frühzeitiger Kontaktaufnahme.

KLM

KLM erlaubt Instrumente als CBBG auf einem Extra-Sitz, sofern sie physisch auf den Sitz passen. Keltische Harfe und Euphonium: möglich nach Voranmeldung. Tuba und Konzertharfe: nur als aufgegebenes Übergepäck. Max. Gewicht 75 kg inkl. Case. Vorab schriftliche Bestätigung einholen.

Ryanair

Ryanair erlaubt KEINE Instrumente auf einem Extra-Sitz und KEIN übergroßes Handgepäck. Instrumente, die nicht in das Overhead Bin passen, müssen als Sondergepäck aufgegeben werden. Für Sonderformate wie Harfe, Tuba oder Euphonium ist Ryanair keine Option. Auch ein Akkordeon kann problematisch sein, wenn es die strengen Handgepäck-Masse überschreitet.

Air France

Air France erlaubt Instrumente auf einem Extra-Sitz, wenn sie in einem Case max. 115 cm hoch und nicht schwerer als 75 kg sind. Das schliesst die meisten Sonderformate aus — keltische Harfe nur mit sehr kompaktem Case. Konzertharfe und Tuba: Frachtraum als Übergepäck, Voranmeldung mindestens 48 Stunden vor Abflug. Air France ist bei Übergepäck-Harfen erfahrener als viele andere Airlines.

Eurowings

Extra-Sitz für Instrumente unter 130 cm telefonisch buchbar. Keltische Harfe und Euphonium in kompaktem Case: nach Rücksprache möglich. Konzertharfe: nur im Frachtraum als Übergepäck. Tuba: meist Frachtraum. Auf Kurzstreckenflügen kann die Verfügbarkeit für Übergepäck begrenzt sein.

Schritt für Schritt

Harfe, Tuba & Sonderformate — so buchst du richtig

  1. Instrument vermessen und kategorisieren

    Miss dein Instrument im Case: Höhe, Breite, Tiefe, Gewicht. Prüfe, ob es auf einen Flugzeugsitz passen würde (max. ca. 130 cm Höhe, max. 45 kg bei den meisten Airlines). Bei Konzertharfen und Tuben steht fest: Kabine ist in der Regel nicht möglich. Bei keltischen Harfen, Euphonien und Akkordeons lohnt sich die genaue Prüfung.

  2. Airline frühzeitig kontaktieren — nicht erst buchen

    Kontaktiere die Airline BEVOR du deinen Flug buchst. Schildere genau, welches Instrument du mitnehmen willst, nenne die Masse und das Gewicht im Case. Frage nach: Kabine möglich? Extra-Sitz? Übergepäck? Welche Kosten? Welche Vorlaufzeit? Bei Sonderformaten gibt es keinen Standardprozess — jede Anfrage wird individuell geprüft.

  3. Schriftliche Genehmigung einholen

    Lass dir die Zusage der Airline schriftlich bestätigen — per E-Mail oder als Vermerk auf der Buchungsbestätigung. Mündliche Zusagen am Telefon reichen nicht. Am Gate zählt nur, was dokumentiert ist. Halte die Bestätigung ausgedruckt und digital bereit.

  4. Alternatives prüfen: Miete am Zielort oder Instrumentenversand

    Besonders für Konzertharfen: Prüfe, ob ein Leihinstrument am Zielort verfügbar ist. Harfenverleih gibt es in den meisten grossen Musikstädten. Alternativ: Spezialisierte Instrumentenlogistik-Anbieter versenden Harfen und Tuben in klimatisierten Transportern — teurer als ein Flugticket, aber sicherer. Für regelmässige Reisen kann sich ein Netzwerk aus Leihinstrumenten aufbauen.

  5. Richtiges Case und Verpackung

    Jedes Sonderformat braucht ein massgeschneidertes Hardcase oder Flightcase. Für Harfen: Spezielle Harfen-Flightcases mit Innenpolsterung und Rollen. Für Tuba und Euphonium: Formgepresste Hardcases (z.B. von Gator, SKB oder Protec). Für Akkordeon: Stabile Koffer mit Innenpolsterung. Ventile und bewegliche Teile sichern, Mundstücke separat im Handgepäck transportieren.

  6. CITES-Regelungen beachten

    Instrumente mit Elfenbein, Ebenholz, Palisander oder anderen geschützten Materialien unterliegen dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Das betrifft vor allem ältere Harfen (Elfenbeinverzierungen), historische Akkordeons und manche Holzblasinstrumente. Ohne gültige CITES-Bescheinigung kann das Instrument am Zoll beschlagnahmt werden — auch bei der Rückreise. Informiere dich rechtzeitig und beantrage die nötigen Dokumente.

Packing & Protection

Case, Polsterung, Vorbereitung

Bei Sonderformaten gibt es kein Universal-Case. Jedes Instrument braucht eine individuelle Lösung. Konzertharfe: Ein professionelles Harfen-Flightcase (z.B. von Salvi, Lyon & Healy oder spezialisierten Case-Bauern) mit Innenpolsterung, Rollen und verstärkten Ecken. Die Saiten vor dem Transport leicht entspannen, die Pedale sichern und den Harfenfuss polstern. Keltische Harfe: Ein passgenaues Hardcase oder ein gut gepolstertes Softcase mit verstärktem Rahmen. Saiten entspannen, Stimmschlüssel separat verpacken. Tuba: Ein formgepresstes Hardcase (Gator, SKB, Protec oder ein Custom-Flightcase). Ventile ölen und sichern, Mundstück im Handgepäck transportieren, Schallbecher innen polstern. Euphonium und Baritonhorn: Kompakte Hardcases, die auf einen Sitz passen könnten — Masse vorab prüfen. Mundstück separat, Ventile sichern. Akkordeon: Stabile Akkordeonkoffer mit Innenpolsterung. Registerschalter auf Nullstellung, Balgriemen sichern, bei Wertinstrumenten zusätzlich in Noppenfolie wickeln. Banjo und Mandoline: Hardcases ähnlich wie bei Gitarre. Steg bei Banjo sichern (er wird nur durch Saitendruck gehalten), Saiten leicht entspannen. Generell gilt: Boveda-Packs oder Dampits für die Feuchtigkeitsregulierung beilegen, ein Hygrometer ins Case legen, und bewegliche Teile (Ventile, Pedale, Schrauben) gegen Vibrationsschäden sichern.

Checkliste

Vor dem Flug

  • Instrument vermessen: Höhe, Breite, Tiefe, Gewicht im Case notiert
  • Airline kontaktiert und schriftliche Genehmigung eingeholt
  • Transportart geklärt: Kabine (Extra-Sitz) oder Frachtraum (Übergepäck)
  • Hardcase oder Flightcase geprüft: Verschlüsse, Polsterung, Rollen intakt
  • Ventile gesichert, Saiten entspannt, bewegliche Teile fixiert
  • Mundstücke und Kleinteile separat im Handgepäck
  • CITES-Bescheinigung geprüft (falls Elfenbein, Palisander o.Ä.)
  • Instrumentenversicherung aktuell und Police griffbereit

Häufige Fragen

Kann ich eine Konzertharfe im Flugzeug mitnehmen?
In der Kabine: nein. Eine Pedalharfe mit ca. 180 cm Höhe und 35-40 kg Gewicht passt auf keinen Flugzeugsitz. Sie kann als Übergepäck im Frachtraum transportiert werden, muss aber in einem professionellen Flightcase reisen und vorab bei der Airline angemeldet werden. Die Kosten liegen je nach Airline und Strecke bei 200 bis 500 EUR pro Richtung. Viele professionelle Harfenisten mieten ein Instrument am Zielort — das ist oft günstiger, sicherer und logistisch einfacher.
Passt eine Tuba auf einen Extra-Sitz?
In der Regel nicht. Eine Tuba hat durch den grossen Schallbecher Abmessungen, die die meisten Airlines für den Kabinentransport ausschliessen. Sie wird als übergroßes Sondergepäck aufgegeben und reist im Frachtraum. Voraussetzung: ein stabiles Hardcase und rechtzeitige Voranmeldung bei der Airline. Manche Airlines bieten die Möglichkeit, das Instrument am Sperrgepäck-Schalter aufzugeben.
Was ist mit Euphonium und Baritonhorn — Kabine oder Frachtraum?
Euphonium und Baritonhorn sind Grenzfälle. In einem kompakten Hardcase können sie bei manchen Airlines auf einem Extra-Sitz mitgenommen werden — aber nur, wenn die Masse stimmen und die Airline vorab zustimmt. Miss das Instrument im Case genau und kontaktiere die Airline vor der Buchung. Ohne schriftliche Genehmigung riskierst du am Gate eine Absage.
Darf ein Akkordeon als Handgepäck in die Kabine?
Kleine bis mittelgrosse Akkordeons (bis ca. 55 x 40 x 20 cm) passen bei vielen Airlines ins Handgepäck. Grössere Instrumente überschreiten die Handgepäck-Masse und brauchen entweder einen Extra-Sitz oder müssen aufgegeben werden. Prüfe die Handgepäck-Masse deiner Airline und miss dein Akkordeon im Koffer. Tipp: Manche Airlines zählen das Akkordeon als "persönlichen Gegenstand" neben dem regulären Handgepäck — nachfragen lohnt sich.
Was muss ich bei CITES beachten, wenn mein Instrument Elfenbein oder Palisander enthält?
Instrumente mit geschützten Materialien (Elfenbein, Palisander, Ebenholz, Schildpatt) unterliegen dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Für internationale Reisen brauchst du eine CITES-Bescheinigung — ohne dieses Dokument kann das Instrument am Zoll beschlagnahmt werden, auch wenn du nur auf dem Rückweg bist. Besonders ältere Harfen mit Elfenbeinverzierungen und historische Akkordeons sind betroffen. Die Bescheinigung beantragst du beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Deutschland oder der zuständigen Behörde deines Landes. Bearbeitungszeit: mehrere Wochen. Frühzeitig beantragen.

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