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In VorbereitungCITES & Artenschutz fuer Musiker
Elfenbein im Bogen, Palisander im Griffbrett, Schildpatt im Plektrum — viele Instrumente enthalten Materialien, die unter internationalem Artenschutz stehen. Wer ohne die richtigen Papiere reist, riskiert Beschlagnahmung und Geldstrafen. Dieser Artikel erklaert, welche Regeln gelten und wie du dich vorbereitest.
Was ist CITES?
CITES (Convention on International Trade in Endangered Species) ist ein internationales Abkommen, das den grenzueberschreitenden Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten reguliert. Ueber 180 Laender haben das Abkommen unterzeichnet. CITES schuetzt nicht nur lebende Tiere und Pflanzen, sondern auch Produkte, die aus geschuetzten Arten hergestellt wurden — und dazu gehoeren viele Materialien, die im Instrumentenbau seit Jahrhunderten verwendet werden.
Fuer Musiker bedeutet das: Wenn dein Instrument geschuetzte Materialien enthaelt, brauchst du fuer jede Grenzueberquerung ausserhalb der EU die richtigen Dokumente. Innerhalb der EU gelten erleichterte Regeln, aber auch hier ist eine Registrierung noetig.
Welche Materialien sind betroffen?
Die wichtigsten geschuetzten Materialien im Instrumentenbau:
- Palisander (Dalbergia) — Seit 2017 stehen alle Dalbergia-Arten unter CITES Anhang II. Betroffen: Griffbretter und Zargen bei Gitarren, Korpusse bei Klarinetten, Oboen und anderen Holzblaesern, Xylophon- und Marimba-Klangleisten. Palisander ist das mit Abstand haeufigste CITES-Material im Instrumentenbau.
- Elfenbein — CITES Anhang I (hoechste Schutzstufe, kommerzieller Handel verboten). Betroffen: Klaviertasten bei aelteren Fluegeln, Sattel und Verzierungen bei Streichinstrumenten, alte Geigen- und Celloboegen mit Elfenbeinfroesch, Floetenmundstuecke. Besonders streng kontrolliert bei Einreise in die USA.
- Schildpatt (Hawksbill-Schildkroete) — CITES Anhang I. Betroffen: historische Plektren, Einlagen und Verzierungen bei Gitarren und Mandolinen, Kamminstrumente. Heute durch Kunststoff ersetzt, aber bei aelteren Instrumenten noch verbreitet.
- Perlmutt — Einige Muschelarten stehen unter Schutz. Betroffen: Einlagen bei Gitarren, Akkordeon-Knoepfe, Verzierungen. Die Kontrolldichte ist geringer als bei Elfenbein oder Palisander, aber das Risiko besteht.
- Fernambukholz (Paubrasilia echinata) — Seit 2022 unter CITES Anhang II. Betroffen: Geigenboegen, Bratschenboegen, Celloboegen. Nahezu alle hochwertigen Streichboegen bestehen aus Fernambuk.
CITES-Zertifikat beantragen
In Deutschland ist das Bundesamt fuer Naturschutz (BfN) zustaendig. So laeuft der Prozess:
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Material identifizieren
Pruefe, welche geschuetzten Materialien dein Instrument enthaelt. Im Zweifel hilft ein Instrumentenbauer oder der Hersteller. Bei aelteren Instrumenten kann ein Gutachten noetig sein.
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Herkunftsnachweis zusammenstellen
Kaufbeleg, Rechnung, Erbschein oder Schenkungsvertrag. Bei aelteren Instrumenten: Expertise, Gutachten oder historische Dokumentation. Fotos des Instruments mit sichtbaren Materialien.
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Antrag stellen
Online ueber das BfN-Portal oder per Post. Gebuehren: 30 bis 80 EUR je nach Bundesland und Zertifikatstyp. Bearbeitungszeit: 2 bis 6 Wochen.
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Zertifikat mitfuehren
Das Original (oder die beglaubigte Kopie) gehoert ins Handgepaeck — nicht in den Koffer. Am Zoll musst du es vorzeigen koennen.
EU, USA, Asien: unterschiedliche Kontrolldichte
Die CITES-Regeln sind international, aber die Durchsetzung variiert stark. Innerhalb der EU ist der Musical Instrument Certificate (MIC) eine Erleichterung: Einmal registriert, kannst du mit deinem Instrument drei Jahre lang ohne zusaetzliche Genehmigung reisen. Der MIC gilt allerdings nur innerhalb der EU.
Die USA kontrollieren am strengsten. Der Lacey Act geht ueber CITES hinaus und verbietet die Einfuhr von Produkten aus illegal geschlagenem Holz — unabhaengig davon, ob du das wusstest. Bussgelder bis 250.000 USD sind moeglich. Bei Einreise in die USA solltest du alle Dokumente dabei haben: CITES-Zertifikat, Kaufbeleg, Instrumentenpass.
In Asien (besonders China, Australien und Japan) wird ebenfalls streng kontrolliert. Australien ist bekannt fuer hohe Kontrolldichte bei allen organischen Materialien. Ohne Papiere wird das Instrument an der Grenze zurueckgehalten.
Praktische Tipps
- Beantrage das CITES-Zertifikat mindestens 8 Wochen vor der Reise. Spaetere Antraege koennen nicht beschleunigt werden.
- Fotografiere dein Instrument von allen Seiten und speichere die Bilder auf dem Handy. Bei Kontrollen hilft ein visueller Abgleich.
- Fuehre immer Kaufbelege oder Rechnungen mit. Auch Kopien koennen helfen, wenn das Original fehlt.
- Registriere dein Instrument fuer den EU Musical Instrument Certificate, wenn du regelmaessig innerhalb Europas reist.
- Informiere dich vor jeder Reise ueber die spezifischen Einfuhrregeln des Ziellandes. Die CITES-Behoerde deines Landes hat aktuelle Laenderlisten.
- Bei Ensembles und Orchestern: Erstelle eine Gesamtliste aller Instrumente mit geschuetzten Materialien. Das beschleunigt die Zollabfertigung erheblich.
Haeufige Fragen
- Welche Instrumente sind von CITES betroffen?
- Betroffen sind vor allem Instrumente mit Palisander (Dalbergia) wie Gitarren, Klarinetten und Oboen, Instrumente mit Elfenbein wie alte Klaviertasten, Geigenboegen und Floetenmundstuecke, sowie Instrumente mit Schildpatt wie Plektren und Einlagen. Auch Perlmutt kann unter Artenschutz fallen. Die haeufigsten Faelle: Palisander-Griffbretter bei Gitarren und Rosenholz-Korpusse bei Holzblasinstrumenten.
- Wie bekomme ich ein CITES-Zertifikat fuer mein Instrument?
- In Deutschland stellst du den Antrag beim Bundesamt fuer Naturschutz (BfN). Du brauchst: einen Nachweis ueber die legale Herkunft des Instruments (Kaufbeleg, Rechnung, Erbschein), Fotos des Instruments mit sichtbaren Materialien, und das ausgefuellte Antragsformular. Die Gebuehren liegen je nach Bundesland zwischen 30 und 80 EUR. Die Bearbeitungszeit betraegt 2 bis 6 Wochen — rechne frueh genug vor der Reise.
- Was passiert, wenn ich ohne Papiere am Zoll erwischt werde?
- Im schlimmsten Fall wird dein Instrument beschlagnahmt. Zusaetzlich drohen Geldstrafen von mehreren tausend Euro. In den USA sind die Strafen besonders hoch — der Lacey Act sieht Bussgelder bis 250.000 USD vor. Selbst wenn du das Instrument zurueckbekommst, kann das Verfahren Wochen oder Monate dauern. Das Risiko ist real: Am Flughafen werden regelmaessig Instrumente konfisziert, besonders bei Einreise in die USA, Australien und China.
- Was ist der EU Musical Instrument Certificate (MIC)?
- Der MIC ist ein vereinfachtes Reisezertifikat innerhalb der EU. Er gilt fuer vorab registrierte Instrumente mit geschuetzten Materialien und erlaubt die wiederholte Ein- und Ausreise ohne jedes Mal ein neues Zertifikat zu beantragen. Der MIC ist drei Jahre gueltig und wird ebenfalls beim BfN beantragt. Wichtig: Der MIC gilt nur innerhalb der EU — fuer Reisen in die USA, Asien oder andere Nicht-EU-Laender brauchst du zusaetzlich ein CITES-Zertifikat.
- Gilt CITES auch fuer sehr alte Instrumente?
- Ja, grundsaetzlich schon. Allerdings gibt es fuer Instrumente, die nachweislich vor dem Inkrafttreten der jeweiligen CITES-Listung hergestellt wurden, erleichterte Regelungen. Du brauchst aber trotzdem einen Nachweis (Gutachten, Expertise, historische Dokumentation). Gerade bei wertvollen alten Boegen mit Elfenbein oder Schildpatt ist die lueckenlose Dokumentation entscheidend. Ohne Nachweis gelten die normalen CITES-Regeln.
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